Deeskalier’ mich!
Soundtrack: Pantera – Vulgar Display of Power
I tell ya, das Leben eines Freien is fuckin’ wild and dangerous! Zum Beispiel gestern: Ich fuhr zu einem Hobbykickerturnier. Als ich ankam, hatten die 28 Teams schon runde zehn Stunden Spielbetrieb und kaum weniger Trinkbetrieb in den Beinen und in der Blutbahn. Kurzum: die Stimmung war schon sehr gelöst. Die sportlichen Begegnungen waren allemal unterhaltsamer als das Zeug aus Südafrika.
Ich machte ein paar Fotos von einem besonders heiteren Team und wollte mich gerade der Schlammschlacht eines Damen-Teams widmen, als ein junger Sportsfreund zu mir trat und sagte: “Ich muss Dir jetzt aufs Maul hauen.”
Ich machte mir augenblicklich Sorgen. Der junge Mann war um einiges kleiner als ich und im Vergleich doch sehr schmächtig. Zudem schien er mir alkoholbedingt in seiner Treffsicherheit ein wenig eingeschränkt. Ich musste also befürchten, dass er sich bei der Umsetzung seines Vorhabens ernsthaft weh tun könnte (nur ein Beispiel: 115 Kilo, die sich auf einem Brustkorb zur Ruhe setzen, können sehr belastend sein).
Ich schritt also beherzt zur Deeskalation und sagte: “Nee, das lassen wir mal lieber.” Der Junge nahm mich wieder in den Fokus, was einen Moment dauerte, und erwiderte: “Nee, ich muss Dir jetzt aufs Maul hauen.”
Gut, er wollte es nicht anders. Ich zog den Trumpf aus dem Ärmel, die fette Deeskalations-Keule names “Ablenkung/Verwirrung”. Ich sprach: “Samma, ich gaub’ dein Team wartet auf dich?!” Er schaute grob in Richtung Nord-Ost und sagte: “Stüppt!”.
Glücklich und zufrieden, diesen jungen Kämpfer vom Kriegspfad auf den rechten Weg des sportlichen Zweikampfs zurückgeschubst zu haben, ging ich weiter meinem Tagwerk nach.