Was ist Grundversorgung?

Soundtrack: Rise Against – Appeal to Reason

Das Bürokratendeutsch – stets bemüht um Klarheit ohne Deutungsspielraum – hat sicherlich schon konkretere Wörter hervor gebracht, aber eigentlich ist mit dem Wort “Grundversorgung” alles gesagt. Um Grundversorgung geht es nämlich angeblich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lasse ich das Wort mal eine Weile durch mein Hirn kullern, fallen mir Themen ein wie: Einmarsch der Russen, gebrochene Deiche, Ergebnis der Bundestagswahl, plötzlich ausgebrochener Weltfrieden. Für solche Dinge brauche ich eine Grundversorgung mit Rundfunk.

Und was haben wir? Florian Silbereisen, Johannes B. Kerner, Thomas Gottschalk. Die Rundumversorgung für die Hirnschmelze. Zu viele Landesanstaltern und Nischensender, zu viele Radioprogramme mit zu viel zu flacher Unterhaltung.

Das war mir die letzten Jahre sehr wurscht, weil (Kurzfassung): keine Glotze, keine Gebühr, viele GEZ-Briefe.

Jetzt kommt die Zwangssteuer zur Finanzierung eines aufgeblähten Apparates, der – kann mir mal jemand den Schaum vom Mund wischen? Danke! – immer wieder von Politikern instrumentalisiert wird, frei nach dem Motto: Viele Kochs verderben das Programm.

Ginge es um eine Grundversorgung mit wichtigen Nachrichten und ein wenig Bildung (und meinetwegen auch etwas Kultur) , könnten wir gerne über Grundversorgung reden. Blöderweise wird genau diese Versorgung immer weiter ausgehöhlt, biedere Unterhaltung und andere teuer produzierte B-Ware macht sich breit – und wer einmal fassungslos den großspurigen Aufwand beobachtet hat, der betrieben wird, um einen 90-Sekunden-Beitrag für ein Regionalprogramm zu drehen, wird sich nie mehr fragen, wohin denn jedes Jahr die vielen Milliarden ein Rundfunkgebühren schwappen.

Bislang hatte man hier als Rundfunkteilnehmer die Wahlfreiheit: Wer sich den Blödsinn nicht antun wollte, konnte seinen Fernseher abschaffen (beim Radio wirds da zuegegebenermaßen etwas schwierig…) und konnte sich gegen einigen Widerstand aus der “GEZ-Mitgliedschaft” verabschieden. Die beschlossene Gebührenreform macht die Rundfunkgebühr zu einer Zwangssteuer, und beraubt die Anstalten des Staatsrundfunks vielleicht ihrer letzten Motivation, noch irgendwelchen Ansprüchen zu genügen. Wo das Geld automatisch fließt, muss sich ja niemand mehr anstrengen.

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Autor: Jens Eber
Datum: Freitag, 25. Juni 2010 21:09
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