Bewerbung um eine Stelle als Bundespräsident
Soundtrack: Jesu – Conqueror
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Bundesversammlung,
wie ich der Presse entnommen habe, ist Ihnen Ihr bisheriger Mitarbeiter auf dem Posten des Bundespräsidenten abhanden gekommen. Ich möchte mich deshalb auf diesem Wege für diese Stelle bewerben. Ich versichere Ihnen, vollumfänglich für dieses Amt geeignet zu sein, was ich Ihnen im Folgenden anhand einiger weniger Beispiele verdeutlichen möchte:
-Ich habe insgesamt 73 Freunde bei Facebook, ich bin also gesellschaftlich verankert.
-Ich bin gegen Internetsperren. Daher würde ich Ihnen keinen solchen Ärger einbrocken wie die Frau von der Lein. (Außerdem ist die eben eine Frau, und gleich zwei Frauen “ganz oben” gäbe bestimmt Gemurre)
-Ich stamme aus der Arbeiterschicht (Schwielen kann ich auf Nachfrage vorzeigen), sie könnten mich daher als gelungenes Beispiel für die Durchlässigkeit der Gesellschaft von unten nach oben vermarkten (die von der Zeitung mögen sowas ja).
-Ich habe keinen Schulabschluss und kein Studium (vgl. Josef Fischer), habe aber auch nie Straßenschlachten besucht, weil es die bei uns in der Provinz so selten gab.
-Ich wäre bereit, mich etwa ein bis zwei Mal im Monat von der Presse oder in Online-Foren beschimpfen zu lassen. Ich glaube, das würde ich schon mal fünf Jahre aushalten.
-Ich bin nicht verheiratet, habe keine Kinder und bin gewissermaßen ein Arbeitsnomade. Ich gehöre also einer wachsenden Gruppe an, die Ihre Partei bisher nicht verstanden hat (>> Wählerpotenzial).
-Ich würde alle Gesetze, die die Regierung schreibt, natürlich unterschreiben, weil das ist ja unhöflich, das einfach nicht zu tun.
Was die Entlohnng angeht, wäre ich mit dem Gehalt meines Vorgängers zufrieden. Auf einen Aufschlag würde ich mit Blick auf die angespannte Haushaltslage verzichten. Ich gehe allerdings davon aus, dass für Wohnräume im Schloss Bullerbü keine weiteren Kosten anfallen. Teilen Sie mir jedoch bitte im Zweifelsfall die Warmmiete mit. Ein mittelgroßer Hund (stubenrein) wäre dort sicher kein Problem, oder? Sieben Kinder würden dem Parkett sicher mehr zusetzen.
Sollten Sie sich am 30. Juni für mich entscheiden, könnte ich meine Stelle sofort antreten. Bis dahin müsste ich allerdings noch meinen Reisepass verlängern lassen.
Rückfragen Ihrerseits werde ich natürlich gerne beantworten und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Edit (3. Juni, 19.45 Uhr): Wulff? Pffff….
Donnerstag, 3. Juni 2010 17:49
Lieber Jens,
Du hast meine volle Unterstützung! Hundeblick Wuff – äh Wulf ist nun wirklich keine Konkurrenz für Dich. Wenn Du mit Barnie ein wenig übst, kriegst Du den Dackelblick problemlos auch hin!
Viel Erfolg!